Stefan Wehmeier mit seinem MS6. Links ein Standlautsprecher für das heimische Wohnzimmer. Foto: Schacht 11

Wenn in diesen Tagen im Rahmen der Ruhrtriennale erstklassige Musik die industriekulturellen Hallen der Metropole Ruhr füllt, dann mag sich mancher Besucher wünschen, den Klang eines ganzen philharmonischen Orchesters oder einer Jazz-Formation in gleicher Qualität auch zu Hause genießen zu können. Ein Lautsprecher-Hersteller aus dem Ruhrgebiet schickt sich nun an, genau diesen Wunsch zu erfüllen – und den idealen Klang auch ins Wohnzimmer und vor allem in Aufnahmestudios zu bringen.

Türen zu, Ohren auf: Im Teststudio von Audio Optimum in Recklinghausen haben sich zwei Kunden eingefunden. Sie betreiben ein Tonstudio und möchten Lautsprecher, in der Fachsprache Monitore genannt, zunächst testen, um sie dann möglicherweise auch zu kaufen. Stefan Wehmeier, Chefentwickler bei Audio Optimum, hält die Einleitung kurz und lässt dann die Fakten, sprich: das Produkt selbst, „zu Wort kommen“. Aus zwei 24 Liter kleinen Boxen ertönt der Jazz-Klassiker „What a difference a day makes“. Der Sound ist verblüffend: Jedes Instrument, vom Piano über das Saxofon bis zur Stimme des Sängers ist glasklar und fast dreidimensional im Raum zu hören.

Die Geschichte

Audio Optimum produziert seit 2014 in Recklinghausen Studiomonitore und Lautsprecher; baut und vertreibt zudem die entsprechenden Kabel, die tatsächlich ebenfalls eine Rolle spielen, wenn es um den perfekten Klang geht. Die Geschichte des kleinen Unternehmens reicht jedoch noch viel weiter zurück.

Schon im zarten Alter von zwölf Jahren baute Wehmeier seine ersten Lautsprecher und Verstärker für zu Hause. Das Studium der Nachrichtentechnik brachte ihn dann zunächst an die Ruhr-Universität nach Bochum und in eine Zwei-Mann-WG in Hattingen. „Im Keller haben wir vor allem für den Bereich Car-Hifi neue Geräte gebaut“, erinnert sich Wehmeier. „Hier habe ich auch meinen ersten Hochfrequenz-Spannungswandler entwickelt.“

Das Interesse am Studium hielt nicht lange – die erste eigene Firma ging an den Start, Wehmeiers Interesse für den Bereich Heim-Hifi wuchs. 2004 fand er mit Friedrich Wilhelm Bussieweke einen Investor, der ihm komplett freie Hand ließ. Zehn Jahre Entwicklungszeit später gründeten die beiden Audio Optimum.

 

Die Technik

Für zwei Technologien sind Wehmeier seitdem Patente in den weltweiten Schlüsselmärkten erteilt worden: für einen elektronischen Leistungsverstärker, der ohne Kühlung und damit ohne jegliche klangliche Verzerrung arbeitet, sowie für eine so genannte phasenparallele Aktivweiche, die bei dem Mehrwege-System ebenfalls für eine verfärbungsfreie Wiedergabe sorgt.

Wehmeier: „Mit dieser Kombination sind wir weltweit konkurrenzlos.“ Weichenelektronik, Chassis und Verstärker arbeiten perfekt abgestimmt zusammen, was zu einem neutralen und damit sehr nah an der Realität eines Konzerts heranreichendes Klangergebnis führt. Die Zuhörer fühlen sich, als spielten die Musiker direkt im selben Raum oder als befinde man sich gar in einem Konzertsaal. Kurz: ein außergewöhnlicher, wenn nicht gar einzigartiger Klang.

Eine Technik, die ihren Preis hat. Die Anschaffungskosten für den kleinen „MS6“ Studiomonitor beginnen bei 5000 Euro. Daneben produziert Audio-Optimum im High-End-Bereich auch einen eigenen Digital-Analog-Wandler, einen Vorverstärker mit DA-Wandler, Kabel sowie zwei Lautsprecher für das heimische Wohnzimmer.

Zurück im Vorführraum bei Audio Optimum. Wehmeier ist von den Studioaufnahmen zur Live-Atmosphäre übergegangen. Über einen Bildschirm flimmert Eric Claptons erstes „Crossroads“-Konzert, B.B. King greift in die Saiten. Die „MS6“-Lautsprecher lassen tief in den Raum hineinhören, die Bühne scheint zum Greifen nah. Ginge es nach Wehmeier, sollen in Zukunft möglichst viele Studios mit Lautsprechern aus seiner Recklinghäuser Werkstatt arbeiten: „Wir wollen mit unseren Studiomonitoren Standard werden.“ Spitzentechnologie aus der Metropole Ruhr für die ganze Welt: Die Qualität ist bereits vorhanden; und auch der Bekanntheitsgrad wächst stetig.

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