Internationale Unternehmen bilden in der kommenden Woche auf der Expo Real in München die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft ab. Einer der aktuellen Trends kommt aus den USA: „Tiny Houses“, mobile Häuser im Mini-Format. Das Ziel: Die Besitzer wollen sich von unnötigem Schnickschnack befreien, örtlich flexibel sein und glücklicher wohnen. Zudem soll das Haus einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Ein „Tiny House“ hat auf kleinstem Raum alles, was man zum Leben braucht: Küche, Dusche, Couch und Bett – und das auf nur etwa 15 Quadratmetern. Man könnte sagen: ein mobiles Baumhaus für Erwachsene. Es bietet zwar wenig Platz, dafür aber viel Unabhängigkeit. Es kann als Feriendomizil dienen, als Kreativraum oder sogar als ständiges Zuhause.

Erste Tiny-House-Konzepte entstehen. © Frank Vinken | dwb für die innogy Stiftung

Auch hierzulande begeistern sich immer mehr Menschen für das simple Leben auf kleinem Fuß. Das zeigt etwa ein aktuelles Projekt in der Metropole Ruhr: Im Rahmen des von der innogy Stiftung geförderten Projekts „e:lab – Bürgerlabor für Energieinnovationen“ entsteht derzeit ein „Tiny House“ als Experimentierplattform. Das „e:Lab“-Format steht allen Bürgern offen, und die Nachfrage war von Beginn an groß: Über 60 Teilnehmende entwickelten bei der ersten Energiewerkstatt im März 2017 in der Dortmunder „Dezentrale“ gemeinsam Ideen zur Konzeptionierung und Umsetzung von energieautarkem Wohnen auf weniger als zehn Quadratmetern. „Die Entwürfe reichten von der kostengünstigen Lowtech- bis zur Hightech-Variante“, erklärt Patrick Jaruschowitz aus der Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement beim Fraunhofer UMSICHT und technischer Leiter des e:lab. „Das ,Tiny House‘ dient als Plattform zum Bauen und Experimentieren, um energieeffiziente Techniken zu erproben und in Kreisläufen zu denken.“

 

Und so reicht die Zusammensetzung der Workshops von echten „Tiny House“-Romantikern bis zu Mitgliedern der Maker-Szene, die mit eigenen Händen ihr Haus bauen wollen. Andere wiederum können sich eher vorstellen, eines zu kaufen. Viele Teilnehmer sehen im „Tiny House“ vor allem ein architektonisches Konzept, das sich dazu eignet, heutige Bauweisen sowie Lebensstile und Konsumweisen kritisch zu hinterfragen und alternative Lösungen abzuleiten.

 

Noch im Oktober dieses Jahres soll das erste „Tiny House“ stehen. „Zumindest zwei bis drei Wände“, schränkt Jaruschowitz ein. „Die vierte Wand benutzen wir zum Experimentieren.“ Schränke, Tische, Boiler und Handwaschbecken sind bereits in der Grundausstattung vorhanden. Sämtliche andere Technik aber muss Schritt für Schritt erarbeitet werden: Wie kann man Regenwasser verwenden? Was ist beim Ablassen von Abwässern zu beachten? Welche Dämm-Materialien sind sinnvoll und nachhaltig? Und wie kann man möglichst eigene Energie erzeugen? Jaruschowitz: „Ziel ist es, dass das Haus nach der Fertigstellung so autark wie möglich funktioniert – immer unter der Vorgabe, den ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten und den Energieverbrauch so weit wie möglich zu reduzieren.“

 

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