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„Alles fließt“, zu dieser Feststellung gelangte schon der griechische Philosoph Heraklit. Alles ist im Wandel, in Bewegung. Der Grat zwischen angewandter Binsenweisheit und inspirierter Lebensklugheit ist hier schmal, die Gefahr interpretatorisch daneben zu liegen hoch.


Das Ruhrgebiet ist das Synonym für Wandel, für Veränderung. Für Mut und Tatkraft, Industrialisierung, Kampf, Strukturwandel und eine neue Freiheit, die immer wieder interpretiert werden will und ihre Form sucht und findet.

Hier kann man Stadtteile bereisen, die Heimaterde oder Haarzopf heißen, Grumme, Stuckenbusch oder Hillerheide, am Rheinufer von Duisburg-Ruhrort flanieren oder in Dortmund-Wambel Zigaretten holen. Liebhaber sprechen gerne von „rauem Charme“ und Authentizität. Das Ruhrgebiet ist heimelig und es ist auch das genaue Gegenteil davon. Wer urbanen Chic schätzt, ist in Essen-Rüttenscheid richtig oder am Dortmunder Phoenix-See. Und wer es krachen lassen möchte, ist „auf Crange“ bestens aufgehoben.

Wem gehört das Revier? Die Metropole Ruhr? Wer hat die Bilder des Ruhrgebiets entworfen, die wir im Kopf haben? Horst Schimanski? Max von der Grün? Herbert Grönemeyer?

Das Ruhrgebiet ist ein vor allem ein Gefühl

Unser Ruhrgebiet ist zunächst eine Gegend. Etwas Geografisches. Aber auch ein Gefühl. Vor allem ein Gefühl – zwischen Heimat, Bestimmung, innerer Einrahmung, Herkunft und Möglichkeiten. Lebensraum. Gestaltungsraum. Lehr- und Leerraum. Wie sieht ein #ruhrgebietforfuture aus? Die Entscheidungen, die wir heute treffen, die Träume, die wir heute träumen – sie gestalten unsere Zukunft. Wie leben wir? Wie werden wir leben? Wie wollen wir leben?

Die Ruhr ist ein langer ruhiger Fluss. Sie lädt zur Betrachtung ein. Betrachtungen des Wandels werde ich in dieser Kolumne anstellen. Mit Ihnen alte und neue Gegenden und Befindlichkeiten erkunden – und dort verweilen. Gedanken ergründen, teilen, verwerfen, erneuern. Geschichten suchen und finden. Genießen. Unser gemeinsames Zuhause betrachten. Eine Gegend, die hochspannend ist und die schon immer die Fähigkeit besaß, sich neu zu erfinden, das unverwüstliche und wandelfähige und wunderbare Ruhrgebiet.
Ich freue mich drauf!

 


Jörg Stanko ist Schriftsteller und Journalist. Er lebt seit 1991 im Ruhrgebiet. Seine Romane Männer mit kalten Füßen und GlücksSommer spielen in Essen. Zusammen mit Arnd Rüskamp schreibt er die Ruhrgebietskrimireihe Krimmini Ruhr.

www.joergstanko.de