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Hotspot für Cyber-Security

Metropole Ruhr

“Bochum hat sich zu einem europäischen Hotspot für IT-Sicherheit entwickelt“, Kai Figge - Vorstand der G Data Software AG, macht im Interview deutlich, welches Potenzial Cyber-Security für das gesamte Ruhtgebiet hat.

Kai Figge, Gründer und Vorstandsmitglied von GDATA

Wo sehen Sie die Herausforderungen für Cyber-Security in der Gegenwart und in der nahen Zukunft?

Unternehmen werden immer gezielter angegriffen. Wir beobachten aber nicht nur eine steigende Zahl von Cyberattacken, sondern auch neue Strategien. Schadenssummen steigen bei Angriffen mit Erpressertrojanern, Hacker legen an Geschwindigkeit zu. Jedes Gerät, das online ist, kann auch angegriffen werden. Alles was smart ist, kann gehackt werden. Die Herausforderung heute und auch in Zukunft besteht darin, unsere digitalen Ressourcen zu schützen.

 

Wie sieht denn eine gute Sicherheitsstrategie im Unternehmen aus?

IT-Security ist ein fortlaufender Prozess und dazu gehört viel mehr, als auf einem Rechner eine Endpoint-Protection zu installieren. Technische Maßnahmen sorgen für einen weitreichenden Schutz der Unternehmens-IT, das reicht heute aber nicht mehr aus. Die Mitarbeiter spielen ebenfalls eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Cybergefahren. Daher müssen wir das Bewusstsein der Mitarbeiter für IT-Sicherheit und sichere Systeme kontinuierlich schärfen. In diesem Bereich haben viele Unternehmen noch Nachholbedarf. Das ist fatal, denn untrainierte Angestellte könnten im schlimmsten Fall die gesamte IT lahmlegen.

Sie sprechen von einer digitalen Dividende. Also es gibt auch positive Aspekte?!

Absolut! Wenn wir uns anschauen, was die Digitalisierung uns in den letzten Jahrzehnten gebracht hat, dann ist das enorm. So wie wir heute leben, wie wir heute arbeiten, wie wir heute auch im persönlichen Bereich einkaufen, wie wir bezahlen, wie wir uns informieren, wie wir Kontakte pflegen und wie wir in Netzwerken agieren - das sind alles Dinge, die früher gar nicht möglich waren. Außerdem bringt uns Digitalisierung Zeitersparnis. Ein Forscher aus Hongkong hat errechnet, dass es eine tägliche „Digitalisierungsdividende“ von anderthalb Stunden gebe. Das ist eine interessante These.

Sie sitzen in Bochum. Toller Campus, selbst aufgebaut und aus eigener Kraft entwickelt. Wie wichtig ist der Standort Bochum, wie wichtig ist das Ruhrgebiet für G DATA?

Der Standort Bochum ist für uns ein Glücksfall. Das Bochumer Horst-Görtz-Institut - HGI ist heute die größte Ausbildungsstätte für IT-Security-Absolventen in Deutschland. Jeder zweite IT-Security-Absolvent kommt aus Bochum. In diesem Umfeld haben sich viele Start-ups entwickelt. Ausgründungen aus dem HGI, wie beispielsweise Escrypt, die von Bosch gekauft wurden, oder VMRay, die Sandboxes bauen, sind entstanden. Das Max-Planck-Institut für Cybersicherheit kommt nach Bochum. Bochum hat sich zu einem der europäischen Hotspots für IT-Sicherheit entwickelt und davon profitiert natürlich das gesamte Ruhrgebiet.

Wo sehen Sie Potenziale für weitere Entwicklungen? Was sind die nächsten Schritte?

Bochum und das Ruhrgebiet haben erkannt, welches Potenzial Cybersicherheit für den Wirtschaftsstandort in Zukunft bietet. Auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Bochum entstehen eine Erweiterung des HGI-Campus und die Unternehmenszentrale von Escrypt für 2000 Mitarbeiter. Hier wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einiges entwickeln. Und wer weiß, vielleicht siedeln sich hierdurch noch mehr Unternehmen und Startups an, die dann auch für neue Arbeitsplätze sorgen.