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Schacht One fördert digitale Ideen für Haniel

Das Family-Equity-Unternehmen Haniel will den Treibstoff für kommendes Wachstum fördern. Aus diesem Grund wurde im April 2016 auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen eine eigene Einheit eröffnet: Schacht One soll nicht nur Aushängeschild sein, sondern die Digitalisierung von Haniel in seinen verschiedenen Geschäftsbereichen vorantreiben. Ein Interview mit dem CEO Dirk Müller.

 

 

Herr Müller, Schacht One versteht sich als „digitale Werkbank der Haniel-Gruppe“. Was entsteht auf dieser Werkbank?

Müller: Haniel besteht ja aus einem Portfolio an Unternehmen, in die wir investieren und die wir dann versuchen zu professionalisieren. Und das Thema Digitalisierung spielt dabei eine große Rolle. Schacht One soll nicht neue Dinge irgendwo im luftleeren Raum erfinden, sondern es soll sehr eng an die Geschäftsbereiche angebunden sein. „Digitale Werkbank“ soll verdeutlichen, dass wir diesen internen Kunden dabei helfen, neue Ideen zu generieren und diese dann auch umzusetzen. Hier sitzen nicht einfach haufenweise Programmierer herum, sondern wir arbeiten eng an der Praxis.

 

Was können Sie für Ihre Kunden tun?

Müller: Haniel hat ja sehr diverse Geschäftsmodelle. Dem entsprechend unterschiedlich arbeiten wir auch. Es kann um klassische E-Commerce-Fragestellungen gehen oder um das Internet der Dinge im Kontext Maschinenbau. Unsere Kunden können aber auch die Kollegen aus dem Sales und dem Marketing oder aus der Produktionsentwicklung sein.

Nichts, was nicht zu Haniel gehört?

Müller: Wir sind häufig von Mittelständlern oder Familienunternehmen angefragt worden, ob wir das, was wir für Haniel machen, nicht auch für andere machen wollen. Das hat einen Grund: Wir sehen eher das Positive in der Digitalisierung. Es gibt ja häufig den Ansatz zu sagen: Wenn du jetzt nichts machst, dann bist du weg vom Fenster. Unser Ansatz ist aber zu sagen: Du als Unternehmen hast unheimlich viel zu bieten – du musst nur mal starten, und wir helfen dir dabei. Schacht One arbeitet zwar nur intern für Haniel. Es gibt hier aber auch ein Spin-off, die „Schmiede Zollverein“. Die macht genau das Gleiche für externe Kunden.

 

Wenn man Experten zum Thema Digitalisierung befragt, dann ist alles immer sehr theoretisch.

Müller: Wir sind sehr praktisch. Diskussionen fangen bei uns nicht im Excel an, sondern hören da vielleicht irgendwann auf. Wir versuchen ganz konkret in Workshops oder anderen Formaten gemeinsam mit unseren Kunden Ideen zu generieren. Und zwar Ideen, die anschlussfähig sind.

 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Müller: Nehmen wir an, wir wollen einen Online-Vertriebskanal für unsere Mietbekleidung. Dann schreiben wir nicht irre lange Konzepte, sondern sprechen früh mit potenziellen Kunden, um zu verstehen, was die brauchen. Wir wollen sehr schnell Dinge ausprobieren, um zu gucken: Kann das funktionieren? Nicht lange Theorie und Power Point. So können wir ganz schnell sagen: Guck mal, wir haben das schon getestet, und die Kunden fanden das super, lass uns doch mal weitermachen. Wir haben jetzt mittlerweile 40, 50 Projekte umgesetzt. Kleine und größere, und manche haben auch echte Geschäftsmodelle an den Markt gebracht. Unsere Rolle in diesen Prozessen ist es dann auch zu sagen: Komm, lass uns weitermachen, oder eben: Lass uns das lieber beenden.

 

 

Müssen wir alle unser Denken verändern durch die Digitalisierung?

Müller: Von Veränderungen sind wir ja schon immer betroffen, sei es nun die Globalisierung oder etwas anderes. Jetzt haben wir aber ein Thema, das für Unternehmen eine sehr große Herausforderung ist. Das hat mit exponentieller Entwicklung zu tun. Technologie ist verfügbar für jedermann, und das in einer Leistungsfähigkeit, die vor drei, fünf, zehn Jahren unvorstellbar war. Traditionelle Unternehmen denken aber langfristig, dabei kann man heute gar nicht sagen, was man beispielsweise in fünf Jahren mit dem iPhone anfangen können wird. Die Anpassungsfähigkeit an diese Geschwindigkeit, an verändertes Kundenverhalten – das ist die Herausforderung. Bei digitaler Transformation geht es darum, das eigene Denken zu verändern. Die Technologie ist gar nicht die Herausforderung, sondern diese Denke, sich darauf einzustellen. Du kannst nicht alles erforschen, du musst auch ein paar Dinge testen und ausprobieren.

 

Der Standort von Schacht One ist das Welterbe Zollverein. Warum hier, warum in Essen?

Müller: Natürlich haben wir am Anfang überlegt: Wo gehen wir hin? Alle gehen nach Berlin, jeder Hinterhof da ist schick und schön. Nun sind wir aber gar nicht auf dem Markt, sondern wir sind so etwas wie die Support-Einheit von Haniel. Darüber hinaus gibt es auch noch eine historische Verknüpfung zu Zollverein über Franz Haniel, der vor über 160 Jahren an Schacht 1 Fettkohle abgebaut hat. Deshalb sind wir hier und nennen uns Schacht One. Wir fördern nur keine Kohle, sondern digitale Ideen. Und: Haniel bekennt sich zu seinen Wurzeln. Wir sind authentisch, wir sind Ruhrgebiet, wir sind echt. Und da macht der Standort etwas her.

 

Welche Rolle spielt die Metropole Ruhr in der Digitalisierung? Sind wir da auf dem neusten Stand oder hinken wir hinterher?

Müller: Das ist eine spannende Entwicklung. Vor vier, fünf Jahren war Digitalisierung hier noch kein großes Thema. Und jetzt passiert ganz viel. Wir dürfen uns nicht vergleichen mit Berlin. Das ist ein ganz anderer Markt. Unsere Stärken sind Industrie, B2B. Wenn wir es schaffen, gemeinsam als Metropole Ruhr zu agieren, dann haben wir eine gute Chance, attraktiv in der Außendarstellung zu sein. Digitalisierung findet hier überall statt: Security in Bochum, Logistik in Duisburg. Und mein Eindruck ist, dass die Metropole Ruhr mittlerweile besser darin geworden ist, diese Stärken auch nach außen zu kommunizieren. Und dazu wollen wir unseren Beitrag leisten.

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