×
×

Mobilität der Zukunft - nachhaltig und ressourceschonend

Arbeitswege effizient, stressfrei und nachhaltig gestalten, das ist die Zielsetzung des Unternehmens
Krahmann und Kollegen Mobilitätsberatung für Unternehmen und Kommunen . Klaus Zallmann begleitet seit drei Jahren als externer Berater das Projekt "Ressourceneffiziente Gewerbegebiete", das die Business Metropole Ruhr im Ruhrgebiet ins Leben gerufen hat. Welche wirtschaftlichen Chancen sich durch eine nachhaltige Mobilitätsstrategie für Gewerbegebiete erschließen, erläutert der Projektmanager im Interview.

Was genau ist Ihre Aufgabe als Mobilitätsberater?

Wir können Unternehmen begleiten, nachhaltiges Mobilitätsmanagement in ihrer Leitkultur erfolgreich zu implementieren und dauerhaft zu leben. Zunächst ist es sehr wichtig, die IST-Situation zu analysieren und alle Nebenbedingungen zu kennen. Wir erleben häufig Aktionismus, der gut gemeint, aber unternehmerisch und somit wirtschaftlich nicht gewinnbringend ist. Kein Hausbau funktioniert ohne berechnete Statik, kein Mobilitätsmanagement funktioniert ohne Analyse und die Kenntnis über individuelle Bedürfnisse und Ansprüche an Mobilität sowie der realistisch geplanten Finanzierbarkeit nachhaltiger Vorhaben. Wir sehen uns als externer Ratgeber, der über den Tellerrand des Unternehmens hinaus mit neutralem Blick Impulse gibt.

 

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für das Mobilitätsmanagement in Quartieren und Gewerbe-/Industriegebieten?

In den meisten Industrie-/Gewerbegebieten treffen wir auf heterogene Strukturen in Unternehmen und somit auch viele persönliche Unternehmensphilosophien. So ist das grundsätzliche Interesse an dem Thema  - bis hin zur Fragestellung, wie tiefgehend es in einem Quartier verankert werden soll -  unterschiedlich gewichtet. Über die Unternehmen hinweg existieren keine formalen hierarchische Strukturen, so dass es in jedem Fall an zentraler Stelle einen Motivator – oder wie wir auch gerne zuspitzen – einen (An-)Treiber braucht, der nachhaltige Mobilität stets im Visier hat und immer wieder auf die Tagesordnung bringt. Im Einzelnen wie auch gemeinsam im Quartier. Der gemeinsame Nenner ist sicher,  Kosten zu sparen durch effizienteres Wirtschaften und als nachhaltiges Unternehmen stets ausreichend gut ausgebildete Arbeitskräfte zu finden.

Welchen Stellenwert hat das Thema Mobilität für ressourceneffiziente Gewerbegebiete?

Die aktuellen Untersuchungen der Gewerbegebiete im Projekt „Ressourceneffiziente Gewerbegebiete“ zeigen, dass der Berufspendlers ca. 2.000 kw/h an Energie pro Kopf durch Nutzung eines PKW für die Fahrten zur Arbeitsstätte verbraucht. Zum Vergleich: Ein Single-Haushalt verbraucht im Durschnitt pro Kopf ca. 1.400 kw/h. Ein Gewerbegebiet mit insgesamt 5.000 Mitarbeiter*innen könnte also ca. 5 Mio. kw/h pro Jahr an Energie allein im Pendlerverkehr einsparen, wenn es gelingen würde, Radverkehr und Öffentlichen Verkehr in der Verteilung aller Verkehrsmittel mit jeweils 25-30% Anteil zu nutzen und den individuellen PKW-Verkehr von heute fast 70% auf 25% zu senken – also ein Sparpotenzial des Energieverbrauchs von mehr als 3.500 Single-Haushalten pro Jahr!

 

Wie kann nachhaltige Mobilität erreicht werden?

Die „Verkehrsvermeidung“ steht an vorderster Stelle, um nachhaltig zu wirtschaften. Es bedarf der stetigen Prüfung, in welcher Form die Digitalisierung uns Lösungen bietet, die „neue“ Mobilität nicht nur effizienter, sondern auch komfortabler zu gestalten. Raum und Zeit smart und intelligent zusammen zu führen und bestmöglich zu nutzen, sind sicher erfolgreiche Zutaten für eine neue nachhaltige Ausrichtung der Mobilität.

 

Wie wird sich Mobilität in Ballungsräumen in den nächsten 20 Jahren verändern?

Urbanes Leben 20-X wird sich wesentlich ändern – und da ist Mobilität nur ein Faktor neben den Fragen, wie wir wohnen, arbeiten und uns versorgen werden. Die Menschen in urbanen Räumen rücken zusammen und daraus ergeben sich neue Ansprüche, die die Gesellschaft lösen muss. Wir können nur bedingt neue Räume schaffen, also muss der vorhandene Bestand physisch, technisch und organisatorisch optimiert und neu verteilt werden. In der Stadt der Zukunft sehen wir immer weniger individuell genutzte Fahrzeuge und noch weniger davon in privatem Besitz. Rad- und Fußverkehr in Verbindung mit ausgezeichneter Nahversorgung, Abbau von Parallelverkehren (Stichwort „Wenn der Kurierdienst viermal klingelt ...“) oder auch die Nutzung von Lufträumen durch Seilbahnsysteme hören sich für uns jedenfalls realistisch an und greifen nicht nach den Sternen wie Luft-Taxi oder Drohnenbelieferung. In jedem Fall wird es eine spannende Zeit und rückblickend die Verkehrswende sicher in die Geschichtsbücher eingehen. Wilhelm II. (1859-1941), Enkel des Kaisers und Königs Wilhelm I., bezeichnete das Auto als vorübergehende Modeerscheinung. Gemessen in Jahren dauert die vorübergehende Erscheinung zwar recht lang, aber Recht soll er behalten, dass das Auto wohl aus der Mode kommen wird.

 

Infos zum Projekt: https://business.metropoleruhr.de/handlungsfelder/flaechen-investorenservice/ressourceneffiziente-gewerbegebiete/