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Fit für die Zukunft

Ressourceneffiziente Gewerbegebiete

Das 122 ha große Gewerbe- und Industriegebiet Dorstfeld West gehört zu den zehn  Modellgebieten in der Metropole Ruhr, die im Rahmen des BMR-Förderprojektes „Ressourceneffiziente Gewerbegebiete“ zu modernen und zukunftsfähigen Gewerbestandorten weiterentwickelt werden. Das Dortmunder Unternehmen Lensing Zeitungsdruck beteiligt sich aktiv an diesem Prozess. Geschäftsführer Tobias Tigges ist davon überzeugt, dass nachhaltiges Wirtschaften ein Erfolgsfaktor für sein Unternehmen und die Gewerbegebiete der Zukunft sind.

Tobias Tigges, Geschäftsführer der Lensing Zeitungsdruck GmbH & Co. KG

„Ressourceneffiziente Gewerbegebiete“ -  warum beteiligt sich Ihr Unternehmen an diesem Projekt?

Unser Ziel ist es, den Energieverbrauch in unserer Druckerei zu verringern. Das hat zwei Gründe. Erstens möchten wir gerne sparen. Und zweitens wollen wir mehr für den Umweltschutz tun. Wir machen Zeitungen – ein Produkt direkt für den Endkunden. Wir versuchen, unsere Arbeit so gut es geht ökologisch umzusetzen. Das wird mittlerweile auch von unseren Kunden erwartet. Wir bieten auf diesem Gelände regelmäßig Führungen an und registrieren, dass unsere Leser dies genau hinterfragen.

Lensing Zeitungsdruck produziert u.a. die Tagezeitung Ruhr Nachrichten

Was sind die besonderen Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Wir sind ein Tagezeitungsproduktionsstandort. Wir haben große Druckmaschinen, die über mehrere Etagen gehen. Hier wird Masse bewegt - viele Druckzylinder - viel Stahl, der Wärme erzeugt. Die Wärme muss abgeführt werden, ansonsten funktioniert der Produktionsprozess nicht. Die Kühlung unserer Maschinen ist daher für uns eine zentrale Aufgabe. Da eine Klimaanlage in der Anschaffung kostspielig ist und viel Energie verbraucht, haben wir in einem ersten Schritt nur auf einen Luftaustausch gesetzt. Dabei wird kalte Luft von außen angezogen, um die Räume zu kühlen. Unser Problem: Die Außentemperaturen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Eine optimale Kühlung ist absehbar nicht zu gewährleisten. Wir müssen uns also Gedanken um Alternativen machen.


Wie gehen Sie dabei vor?

Zunächst haben wir ein Energiemanagementsystem eingerichtet, um unsere Verbrauchswerte genauer zu analysieren. Dabei haben wir schnell festgestellt: Das kann man besser machen. Wir denken zum Beispiel über eine Dachbegrünung oder die Neugestaltung unseres Firmenparkplatzes nach – die Fläche soll weiß gestrichen werden, damit sie nicht so viel Sonnenenergie anzieht und Wärme abstrahlt. Darüber hinaus prüfen wir auch eine Regenrückhaltung auf dem Betriebsgelände. Unser Produktionsprozess funktioniert über die Abstoßung von Öl und Wasser. Die druckenden Stellen einer Druckplatte sind fettfreundlich und Wasser abstoßend, daher nehmen sie die Druckfarbe an, denn Druckfarbe ist öl-haltig. Die nicht druckenden Stellen dagegen stoßen die Farbe ab, nehmen aber Wasser an. Um diese Abgrenzungen auf der Druckplatte vorzunehmen, benötigen wir viel Wasser. Zur Zeit benutzen wir ganz normales Leitungswasser für unsere Prozesse, das wir in die Kanalisation abführen. Aber wir haben riesige Dachflächen hier. Es wäre sinnvoll, das Regenwasser aufzufangen, aufzubereiten und für den Produktionsprozess zu verwenden.

Fest steht: Die Maßnahmen müssen wirtschaftlich sinnvoll sein. Sie müssen kein Geld einbringen, aber sie müssen sich für unseren Betrieb rechnen.

Die empfindliche Elektronik wird in separaten Schränken extra gekühlt.

Welche Rolle spielt die Netzwerkarbeit?

Netzwerkarbeit in Gewerbegebieten ist sinnvoll, weil es Themen gibt, die wir alle gemeinsam gestalten müssen. Wenn wir zum Beispiel über den Verkehr nachdenken, uns fragen, wie die Wegeführung für Lkws im Gewerbegebiet optimiert werden kann, nützt es nichts, wenn sich ein einzelner Betrieb dazu Gedanken macht.


Welche Tipps können Sie Unternehmen geben, die mit dem Gedanken spielen, ihr Unternehmen nachhaltig und wirtschaftlich effizient aufzustellen?

Die meisten Betriebe wissen gar nicht, was sie für einen Energierverbrauch haben und an welchen Stellen gespart werden kann. Am Anfang steht daher immer eine systematische Analyse der Verbrauchswerte.

Wichtig ist es auch, die Mitarbeiter frühzeitig in den Prozess einzubinden. Sie müssen von den geplanten Maßnahmen überzeugt sein, damit sie auch umgesetzt werden. Bei uns gibt es dafür regelmäßige Schulungen und Workshops.

Und was man nicht unbeachtet lassen sollte: viele Maßnahmen sind förderfähig. Es lohnt sich, sich über Fördermöglichkeiten zu informieren.