2016: Der Bergbauingenieur Sebastian-Friedrich Kowitz gründet gemeinsam mit dem Ingenieur Artem Zitzer, dem Data Scientist Kai Meschede und dem Betriebswirtschaftler Philipp Lorenz das Unternehmen talpasolutions. „talpa“ ist der lateinische Name für „Maulwurf“; „solutions“ steht für „Lösungen“. Und tatsächlich gilt: Der Name ist Konzept.Das Aufgabenfeld des Start-ups: die Optimierung von Arbeitsprozessen in Bergwerken über eine hochspezialisierte Softwareplattform.


„Wir hören den Daten zu, die alltäglich fließen“

„Schon während des Studiums an der RWTH Aachen“, erinnert sich Kowitz, „habe ich Datenanalysen von Bergbaumaschinen gemacht; zur Garantie-Prüfung. Also: Ist es ein Produktionsfehler oder ist die Maschine ausgefallen, weil der Operator sie schlecht behandelt hat? Und irgendwann habe ich mich gefragt, warum es immer erst zum Extremfall kommen muss – und man die Maschinen nicht schon vorher dauerhaft überwacht.“ Was simpel klingt, mündete in der Entwicklung einer komplexen Software, mit deren Hilfe die Daten der eingesetzten Maschinen ausgewertet werden können. Die Herausforderung: Die Daten müssen so interpretiert werden, dass klare Handlungsempfehlungen formuliert werden können. „Wir verknüpfen die Maschinendaten mit weiteren Informationen, etwa zum Wetter oder zur Geologie, und arbeiten dann heraus, wie sich die Maschinen effizienter einsetzen lassen.“ Eine Flexibilität, die gerade in den veränderlichen Arbeitsbedingungen im weltweiten Bergbau einen enormen Vorteil darstellt. „Wir hören den Daten zu, die alltäglich fließen und die normalerweise jeden Tag verlorengehen. Auf diese Weise können wir die Maschinen im Millisekundentakt überwachen.“

"Eine neue Art Bergbau"

Partner des Data-Science-Unternehmens sind dabei in der Regel nicht die Bergwerke direkt, sondern zuliefernde Unternehmen. „Co-Creation“ nennt Kowitz das Konzept. „Aktuell erstellen wir etwa das digitale System für die Gelsenkirchener GHH, die für den Untertagebergbau Fahrlader herstellt.“ Eine Win-Win-Situation für beide Partner – die sich auch auf andere Bereiche übertragen lässt. „Bahn, Hafen, Bau – die Maschinen sind letztlich überall ähnlich.“ Auch in Steinbrüchen etwa funktioniert die Qualitätssteuerung via Maschinenanalyse bereits reibungslos: „Wir kooperieren hier mit einem Unternehmen für geologische Analysen, so dass über unsere gemeinsame Auswertung eine Flotte nicht nach Zeit oder nach Tonnage gesteuert werden kann, sondern nach der Qualität des Gesteins.“

Entwicklungen, die sich auszahlen, für alle beteiligten Parteien, auch das Start-up selbst: 25 Beschäftigte hat talpasolutions mittlerweile. Im Sommer dieses Jahres investierte der Gründerfonds Ruhr 1,5 Mio. Euro; es folgte Platz drei beim „Digitale Wirtschaft NRW-Award“ des Wirtschafts- und Digitalministeriums, der für herausragende Erfolge in der digitalen Transformation vergeben wird. Das Ruhrgebiet, so Kowitz, sei für ihr Konzept dabei eine ideale Adresse. „Hier wurde schon immer Industrie gemacht, hier sitzen die für uns wichtigen Unternehmen und hier ist alles gut zu erreichen. Aber es geht auch um die Story: Bergbau zu Bergbau, das passt. Auch, wenn jetzt die letzten Zechen schließen – das ist der Lauf der Dinge. Das, was wir jetzt machen, kann eine neue Art Bergbau sein.“

 

Informationen: www.talpa-solutions.com

 

 

 

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