In diesem Monat endet die Zeit des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet und auch in Deutschland. Wie geht es Ihnen dabei? Können Sie die Fragen danach überhaupt noch hören?

Sie sind sicher nicht die ersten, die diese Frage stellen. Aber sie bewegt ja nicht nur mich, sondern viele Menschen im Ruhrgebiet. Wenn am 21. Dezember 2018 das letzte Stück Kohle gefördert und dem Bundespräsidenten übergeben wird, dann ist das für mich persönlich schon ein trauriges Ereignis. Bergbau war immer Bestandteil meines Lebens. Meine Großväter, mein Vater und meine Cousins waren alle im Bergbau beschäftigt. Ich selbst bin Bergmann. Wenn in wenigen Tagen das letzte Bergwerk schließt, endet ein großes Kapitel unserer Industriegeschichte, dem wir viel zu verdanken haben.

Was bedeutet diese Zäsur für die Region?

Die Kohle hat die Region über 200 Jahre geprägt – nicht nur wirtschaftlich sondern auch kulturell. Die Kultur wird bleiben, da bin ich sicher. Eine zentrale Anlaufstelle zum Thema Bergbau wird auch nach dessen Ende das neu ausgerichtete Bergbaumuseum in Bochum sein, das als Leibniz-Forschungsmuseum auch noch wichtige Erkenntnisse für die Nachbergbauära liefern wird. Man muss aber auch bedenken: Bis auf Bottrop am nördlichen Rand ist das Ruhrgebiet schon lange eine Nachbergbau-Region. Der Dienstleistungssektor spielt hier mittlerweile eine große Rolle. Einer der größten Arbeitgeber ist die Gesundheitswirtschaft. Zudem hat sich das Ruhrgebiet in den letzten Jahrzehnten zu einer prosperierenden Hochschullandschaft entwickelt, nachdem die Region bis in die 1950er-Jahre praktisch hochschulfrei war. Mittlerweile zählen wir hier mehr als 270.000 Studierende. In Bochum ist die Ruhr-Universität Bochum beispielsweise der größte Arbeitgeber der Stadt. Das ist Zukunft.
 
Für die RAG-Stiftung geht es auch nach 2018 weiter. Welchen Aufgaben wird sich die Stiftung widmen?

Eine ganz wesentliche Aufgabe haben wir Ende 2018 erfüllt – die sozialverträgliche Beendigung des deutschen Steinkohlenbergbaus. Darüber bin ich sehr froh und allen, die daran mitgewirkt haben, sehr dankbar. Damit ist unsere Aufgabe aber noch längst nicht erledigt. Man kann vielmehr sagen, jetzt fängt unsere Arbeit erst richtig an. Denn ab 2019 finanziert die RAG-Stiftung Jahr für Jahr die Ewigkeitskosten aus dem deutschen Steinkohlenbergbau der RAG – ohne den Steuerzahler zu belasten. Das war von Anfang an das Ziel. Wir werden im Februar die erste Rechnung der RAG erhalten, die sich operativ um die Ewigkeitsaufgaben – also die ewige Wasserhaltung – kümmert. Außerdem wird die Stiftung über ihre Förderaktivitäten in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur wichtige Impulse zur Erneuerung der ehemaligen Bergbauregionen setzen. Dafür steht uns ab 2019 ein Budget von jährlich 30 Millionen Euro zur Verfügung.  
 
Sie sind umgezogen auf das Zollverein-Gelände in Essen. Warum und was versprechen Sie sich vom neuen Standort?

Zunächst einmal ist Zollverein unsere genetische Heimat. Und zusammen mit der RAG und der RAG Montan Immobilien an einem Standort können wir die Zusammenarbeit noch besser gestalten. Aber ich will die Frage auch einmal umdrehen. Was kann sich der Standort von uns versprechen? Wir tragen mit unserer Präsenz zur Belebung von Zollverein bei. Hier ist in den letzten Jahren viel passiert, aber unser Ziel muss es sein, dass das Welterbe Zollverein auf lange Sicht der Leuchtturm der Region bleibt. So wichtig wie der Erhalt des Denkmals als Welterbe ist, so wichtig ist es, den Blick nach vorne zu richten. Die Ansiedlung der Folkwang Hochschule für Gestaltung mit über 500 Studenten oder die Gründerallianz Ruhr, die seit kurzem auf Zollverein zuhause ist, sind wichtige Schritte in diese Richtung. Das lockt auch andere an und strahlt in die umliegenden Stadtteile aus. 
 
Was tut die RAG-Stiftung, um zur Entwicklung von Innovationen und zur Zukunftssicherung der Metropole Ruhr beizutragen?

Die Zukunft gehört der jungen Generation. Deshalb ist es so wichtig, dass wir junge Menschen für unsere Region begeistern können und sie auch von außerhalb zu uns kommen, um hier zu leben und zu arbeiten. Um sich wohl zu fühlen, braucht es attraktive Freizeitmöglichkeiten, bezahlbaren Wohnraum, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung… Die Stiftung trägt mit eigenen Projekten dazu bei, beispielsweise mit einem Modellprojekt zur Quartiersentwicklung, der schon genannten Gründerinitiative, bei der wir uns stark engagieren, und natürlich über weitere Förderaktivitäten. Um die Chancen unserer Region vollumfänglich zu heben, braucht es allerdings die Anstrengung aller gesellschaftlichen Kräfte. Und das Ruhrgebiet muss sich endlich als die Chancenregion begreifen, die es ist.

 

Bildnachweis:

Porträt Bernd Tönjes©Nikelowski

Bild Gebäude©JensKirchner

 

 

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