Gut sieben Jahre nach dem Ende der Shoa, dem millionenfachen Mord an Jüdinnen und Juden im deutschen Herrschaftsbereich, begannen 1952 die ersten offiziellen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem gerade vier Jahre zuvor gegründeten Staat Israel und der Bunderepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des 1945 von den Alliierten zerschlagenen Deutschen Reichs. Angesichts der Verbrechen Deutschland war man noch weit von jeder Normalität entfernt. Beide Staaten hatten ein vor allem in Israel umstrittenes Wiedergutmachungsabkommen angeschlossen. Demonstranten in Israel fragten aufgebracht „Was sollen unsere ermordeten Großeltern pro Stück kosten?“.

Ab 1953 lieferte die Bundesrepublik Stahl, Eisen, Erzeugnisse der stahlverarbeitenden und chemischen Industrie und landwirtschaftliche Produkte. Stahl und Eisen – da werden über den Umweg der Bezahlung durch die Bundesregierung auch Unternehmen aus dem Ruhrgebiet beteiligt gewesen sein. Die Waren aus Deutschland machten ein Dritten der israelischen Einfuhren aus. Die Lieferungen stabilisierten die israelische Wirtschaft und versetzten das Land auch in die Lage, sie gegen militärische Angriffe seiner Nachbarn erfolgreich zu verteidigen.

Es sollte allerdings noch über zehn Jahre vergehen, bis es zum Aufbau klassischer Wirtschaftsbeziehungen kam: 1965 knüpften die beiden Staaten diplomatische Beziehungen miteinander, 1967 kam es zur Gründung der Deutsch-Israelischen Außenhandelskammer. Da hatten schon 4000 deutsche Unternehmen Kontakte nach Israel geknüpft. Die alte Nazi-Elite, die auch in Nachkriegsdeutschland wieder führende Positionen einnahm, sah das kritisch: Hjalmar Schacht und Hermann Josef Abs  warnten vor zu engen Kontakten zu Israel und sorgten sich um die guten Beziehungen zu den arabischen Staaten. Die schätzten Deutschland nicht trotz, sondern wegen des millionenmachen Judenmordes. Aber sie setzten sich nicht durch. Israel und Deutschland sind heute wirtschaftlich eng verbunden.


Israel ist längst kein hilfsbedürftiges Land mehr, das auf Unterstützung angewiesen ist, sondern eine globale High-Tech-Macht und für Unternehmen ein attraktiver Standort. Kaum ein Computer, Auto oder Handy, das ohne israelische Erfindungen auskommt. Firmen und Forschungseinrichtungen drängen darauf, sich in Israel niederlassen zu können. Und besonders eng sind die Verbindungen zum Ruhrgebiet: Als einzige Region Deutschlands kooperiert das Ruhrgebiet eng mit der Deutsch-Israelischen Außenhandelskammer in Tel Aviv.

 

 

 

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