Fußball-Weltmeisterschaft ist nur alle vier Jahre – und alle Spiele werden live im Fernsehen übertragen. An jedem Sonntag aber kicken Tausende von Amateuren – und außer dem knappen Dutzend am Spielfeldrand kriegt es keiner mit. „Soccerwatch“, ein Start-up aus Essen, will das ändern und überträgt seit November 2017 Amateur-Fußball im Internet – live und später auch als Aufzeichnung. Gründer Georg Moser erklärt, wie es funktioniert und wie aus der Leidenschaft für Jugendfußball ein Unternehmen mit 35 Mitarbeitern, vor allem ITlern und Elektrotechnikern, entstand.

Herr Moser, wie ist die Idee zu „Soccerwatch“ entstanden?

Die Geschichte begann auf dem Platz, das heißt: eigentlich nicht auf dem Platz. Einer unserer Mitgründer ist Familienvater. Seine beiden Söhne spielten Fußball, und er konnte nicht immer dabei sein. Also fragte er sich: Kann ich nicht wenigstens ein Video von meinen beiden Stöpseln gucken? Daraus entstand die Idee, selbst ein System zu entwickeln, das Jugend- und Amateurspiele live im Internet überträgt.

 

 

Damit könnte eine nette Geschichte auch schon zu Ende sein. Doch Sie haben daraus ein Unternehmen gemacht. Wie das?

Zunächst einmal haben wir getestet, ob überhaupt irgendjemanden ein Spiel der Kreisliga C interessiert. Dafür haben wir Anfang 2016 mit einer Kamera und mit einem Eimer aus dem Baumarkt ein System zusammengebastelt und ein paar Spiele übertragen. Und schnell war klar: Das interessiert nicht nur ein paar Leute, sondern hunderte. Dann haben wir uns den Markt angesehen: In Deutschland finden in jedem Jahr 1,8 Millionen Fußballspiele statt. 99,9 Prozent davon werden nicht übertragen. Und das liegt nicht an mangelnder Nachfrage, sondern daran, dass eine Übertragung bisher nicht kostengünstig und ohne größeren Aufwand möglich war.

Und dieses Problem haben Sie gelöst?

Wir haben ein Kamerasystem entwickelt, das mithilfe von künstlicher Intelligenz vollautomatisch und ohne menschliches Zutun jedes Fußballspiel übertragen kann. Die Kamera verfolgt sowohl den Ball als auch andere Bewegungen auf dem Spielfeld. Dabei handelt es sich um eine lernfähige Software, die wir selbst entwickelt haben und die es uns ermöglicht, diesen großen Markt zu erschließen. Wir sind im vergangenen November online gegangen und haben seitdem bereits über 1000 Spiele übertragen.

 

Das ist eine Menge. Aber wie verdienen Sie damit eigentlich Geld?

Über Sponsoring. Großsponsoren, Stadtsponsoren, aber auch kleinere. Das Besondere dabei ist: Die Vereine selbst müssen nichts bezahlen. Im Gegenteil: Sie werden zu 50 Prozent am Gewinn beteiligt. Wir machen also nicht nur ihre Fußballspiele weltweit sichtbar, sondern geben ihnen auch noch eine zusätzliche Einnahme-Möglichkeit. Mittlerweile nutzen mehr als 70 Vereine „Soccerwatch“. Wir haben aber bereits 1000 Vereine aus ganz Deutschland auf der Warteliste, die das System gerne haben möchten.

Gibt es spezielle Voraussetzungen für eine Übertragung?

Es muss ein Spielfeld da sein und ein Flutlichtmast oder eine Tribüne, um die Kamera dort zu befestigen. Und es muss ganz normaler Strom verfügbar sein. Dabei ist die Kamera sehr energiesparend: Die Stromkosten liegen etwa bei 20 Euro pro Jahr. Die Installation dauert etwa drei Stunden und wird von unserem Service-Team vor Ort durchgeführt.

 

Verlieren die Vereine nicht Zuschauer, wenn alles live im Internet übertragen wird?

Auch in der Bundesliga haben die Live-Übertragungen dafür gesorgt, dass die Stadien heute so voll sind. Wir denken, dass das auch in den Amateur-Ligen der Fall sein wird und dass unser System eher eine Einflugschneise für neue Zuschauer ist.