Markus Masuth, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien

Nach vielen erfolgreichen Jahren als Manager in der Kohle- und Koksproduktion sind sie jetzt dafür zuständig, Zechenareale, auf denen auch Sie zum Teil gearbeitet haben, neu zu entwickeln. Wie gelingt Ihnen dieser Perspektivwechsel?

Sehr gut. Meine neue Aufgabe ist eine absolute Bereicherung, weil es nicht mehr nur um das Wohl eines Bergwerks in dem jeweiligen Unternehmensumfeld geht, sondern um mehrere  Standorte im gesamten Ruhrgebiet, Ibbenbüren und im Saarland. Es ist nicht nur eine äußerst spannende, sondern vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe, denn wir arbeiten ja am erfolgreichen Strukturwandel mit. Wir werden dabei mit offenen Armen empfangen, schließlich werden im Ruhrgebiet überall Flächen gebraucht. 

Wer entscheidet über die künftige Nutzung eines Areals?

Das entwickelt sich. Ein Ensemble aus Bestandsgebäuden, Fördertürmen oder Schachtgerüsten bildet meist die Ausgangslage für eine neue Konzeption, die nach und nach entsteht. In der Regel führen wir dann einen Ideenwettbewerb durch, an dem sich Architekturbüros oder Städte- und Landschaftsplaner beteiligen. Parallel dazu werden auch Kommunen, Bürger und verschiedene andere Interessengruppen eingebunden. Uns ist vor allem wichtig, dass wir zusammen mit allen Akteuren ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für den Standort entwickeln. Deshalb ist die frühe Einbindung in den Entscheidungsprozess außerordentlich wichtig. Für die Kommunen sind vor allem neue Arbeitsplätze von großem Interesse, ein ausgewogener Branchenmix oder Flächen für bezahlbare Wohnungen.  

Zeche Auguste Victoria in Marl (Foto: RAG)

Gibt es heute mehr Risiken und Hürden bei der Revitalisierung/Vermarktung ehemaliger Zechengelände als noch vor einigen Jahren? Wenn ja, warum?

Im Vergleich zu den letzten Jahren nicht. Geht man 20, 30 Jahre zurück, sind die Genehmigungsverfahren bis es zu einer Bauplanung kommt heute komplexer und langwieriger. Eine Fläche muss aus dem Bergrecht entlassen und Anlagen zurückgebaut werden, eine neue Bauleitplanung und Machbarkeitsstudien müssen erstellt werden, vor allem die zum Artenschutz umfassen ganze Vegetationsperioden. Hinzu kommen sehr unterschiedliche Interessengruppen – Bürger, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft, Umwelt- und Naturschutz –, die es zu berücksichtigen und zu bündeln gilt. Bis die Vermarktung starten kann, bedarf es daher eines langen Atems. Besonders schnell verlief der Prozess für das Areal der Zeche Auguste Viktoria in Marl, die Ende 2015 geschlossen worden ist. Wenn alles gut geht, können ab 2020 die ersten Flächen vermarktet werden. Fünf Jahre – das ist rekordverdächtig.

Welche Projekte beschäftigen Sie gerade ganz aktuell?

Viele ehemalige Standorte müssen noch einer vollständigen Nutzung zugeführt werden. Etwa in Hamm auf dem Gelände der Zeche Radbod sind jetzt die letzten beiden Flächen vermarktet worden. Vor 20 Jahren wurde die Zeche bereits stillgelegt. Auch auf Zollverein in Essen und auf vielen anderen Arealen laufen die Projekte weiter. Im Planungsstadium befindet sich der interkommunale Bereich im Bottroper Süden und Essener Norden. Die Zeche Prosper Haniel schließt 2018, dort beginnt der Prozess gerade. Zudem haben wir mit dem Land NRW und dem RVR die Vereinbarung „Wandel als Chance“ über die Revitalisierung ehemaliger Bergbauflächen getroffen. Darin sind 20 ehemalige Zechen- und Hafenareale sowie Kohlelager des Bergbaus mit über 1.000 Hektar Fläche enthalten. Um einen guten Überblick über die Entwicklung zu haben, läuft ein jährliches Monitoring zum Fortschritt dieser Projekte. 

 

 

Mit welchen Partnern arbeiten Sie bei Ihren Projekten zusammen?

Fachlich sind das Architekten, Landschaftsplaner, Ingenieure, dann haben wir Unternehmen als Partner wie die Duisburger Hafen AG, mit der wir eine gemeinsame Tochter, die logport ruhr GmbH, gegründet haben; wir arbeiten mit öffentlichen Partner wie dem Land NRW, dem RVR, der BMR bis hin zu einzelnen Kommunen. Gegenseitiges Vertrauen ist hier das A und O. Auf der Investorenseite sind es Projektentwickler, Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften sowie Banken oder Versicherungen. Und natürlich auch die Bürger. In den vergangenen Jahren ist es immer wichtiger geworden, den Bürger in den Planungsprozess einzubeziehen und wenn möglich, seine Ideen und Anregungen auch umzusetzen.