Sie haben das Land und die Region bereits von 2005-2010 als Wissenschaftsminister erlebt. Wie beurteilen Sie Veränderungen in den vergangenen sieben Jahren und die Entwicklung bei der Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft?
 
Die Metropole Ruhr besitzt eine der bundesweit dichtesten Wissenschaftslandschaften: Die Universitäten Dortmund, Bochum und Duisburg/Essen, Witten-Herdecke und die Fernuniversität Hagen sowie 15 Fachhochschulen mit über 274.000 Studierenden in 600 Studiengängen. Die Exzellenz, bei der die Region aufgeschlossen hat, zeigt sich auch durch die jeweils drei Max-Planck- und Fraunhofer-Institute und die vier Institute der Leibniz Gemeinschaft. Das Ruhrgebiet trägt zur Ausbildung von Akademikern und Know-how für ganz Deutschland bei. Trotzdem liegen die Ausgaben der Unternehmen in der Region für Forschung und Entwicklung deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Es werden nur halb so viele Patente angemeldet wie im Bundesvergleich. Deswegen geht es mir darum, dass Unternehmen und Gründer das Wissen, was wir hier vor Ort haben, stärker für sich nutzen. Die Chance der Metropole Ruhr ist es, von einem Wissenschaftsstandort zu einer Innovationsregion zu werden. Hier können und werden wir noch mehr tun.

Der Leitmarkt Digitale Kommunikation hatte in der Metropole Ruhr zuletzt ein höheres Wachstum als der Landesschnitt. Ist vor diesem Hintergrund die Fokussierung bei der Förderung der Digitalisierung auf die ABCD-Städte im Rheinland nicht ein wenig zu eng?
 
Bei der Weiterentwicklung der Digitalisierung nehmen wir alle Wirtschaftsräume und Unternehmen in Nordrhein-Westfalen in den Blick. Schauen wir auf die Metropole Ruhr, so arbeiten hier rund 50.000 Menschen im Leitmarkt Digitale Kommunikation. Ihre Unternehmen machen über sieben Milliarden Euro Umsatz. Das eröffnet auch Unternehmen in Maschinenbau, Medizin und Logistik neue Geschäftsfelder. Die Digitalisierung ist eine wichtige Chance für das Wachstum in der Metropole Ruhr. Die exzellenten Angebote an den Hochschulen und bei den wirtschaftsnahen Dienstleistungen wirken zudem weit über die Region hinaus. Zudem richtet die selbstbewusste Nennung der ABCD-Region als
mittlerweile stärkster Wissenschaftsregion Deutschlands endlich die Scheinwerfer von Berlin und München auf den Westen der Republik und damit eben auch auf die Metropole Ruhr.  

Sie haben im Dezember das Starbuzz in Mülheim, einen Accelerator zur Förderung von neuen Geschäftsmodellen im Bereich E-Commerce besucht. Welchen Eindruck haben Sie von diesem Termin und der Start-up-Szene in der Region mitgenommen?

Ich freue mich außerordentlich, dass sich im Land tolle Gründerinitiativen entwickeln. Das kann nicht der Staat verordnen, aber aktiv begleiten. So setzen wir auf private Investoren, die sich gemeinsam mit Hochschulen hinter die Initiativen stellen. Das ist mit dem Starbuzz Accelerator in Mülheim beispielgebend umgesetzt worden. Für die etablierten Player entstehen große Chancen, sich in der Kooperation mit der digitalen Start-up-Szene weiterzuentwickeln. Hierzu brauchen wir – und das hat die Auftaktveranstaltung eindrucksvoll gezeigt –  solche Angebote, um die klugen Köpfe in NRW halten zu können. Das wollen wir auch als Land unterstützen. Dafür wird die NRW.BANK zusätzlich 214 Millionen Euro Wagniskapital für Start-ups zur Verfügung stellen.

Wie unterstützt Ihr Ministerium den eingeschlagenen Weg der Metropole Ruhr zu einer wissens- und technologiebasierten Region?
 
Die Zusammenarbeit der Hochschulen in der Region ist ein ganz zentraler Punkt. Dies hat sich die Universitätsallianz Ruhr zum Ziel gesetzt. Im Wissenschaftsforum Ruhr arbeiten die außeruniversitären Forschungseinrichtungen zusammen. In der Initiative Ruhrvalley arbeiten mehrere Fachhochschulen der Region erfolgreich zusammen. Damit wir die PS auf die Straße bekommen, also in Unternehmen hinein, brauchen wir Projekte wie den Digital Hub Logistics in Dortmund, den ruhr:HUB mit Sitz in Essen  oder startport in Duisburg. Einen wichtigen Beitrag leisten auch die vom Land geförderten Innovationspartnerschaften oder der Förderscout bei der BMR.
 
Welche Partner benötigen Sie dafür?

Es braucht idealerweise eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und erfahrenen Gründern und Investoren. Zudem braucht es ein kreatives Umfeld mit Gelegenheiten zum zwanglosen informellen Austausch.