Kompetenzzentrum 4.0

Experten helfen Mittelstand bei Digitalisierung

Thorsten Hülsmann, Geschäftsstellenleiter Kompetenzzentrum 4.0 (Foto: EffizienzCluster Management GmbH)

Gerade kleine und mittlere Unternehmen stellt die vierte industrielle Revolution vor große Herausforderungen. Viele schauen ihr tatenlos zu, andere wiederum gehen mutig voran und lassen den Wettbewerb weit hinter sich. Elf Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert, entstehen derzeit bundesweit und sollen jetzt vor allem die Zögerlichen bei der digitalen Umrüstung begleiten. Eines der Zentren besitzt eines seiner drei Standbeine in Dortmund am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik. Es arbeitet eng mit Forschungseinrichtungen in Ostwestfalen-Lippe und im Rheinland zusammen. Thorsten Hülsmann, der Geschäftsstellenleiter für die Metropole Ruhr, erläutert, wie das Kompetenzzentrum kleine und mittlere Firmen bei der Einführung digitaler Prozesse unterstützt.

Herr Hülsmann, wie notwendig ist ein solches Zentrum für den Mittelstand in der Metropole Ruhr?

Thorsten Hülsmann: Industrie-4.0.-Anwendungen erfordern ein gewisses Maß an Vorkenntnissen und sind für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in der Metropole Ruhr extrem relevant. Mit unserer Initiative wollen wir das Potenzial von 4.0-Technologien sichtbar machen und Unternehmen, wenn gewünscht, bis zur Einführung unterstützen. Das stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gerade durch Digitalisierung können Unternehmen ganz neue Geschäftsfelder erschließen: Ein Beispiel ist die Firma Dornbracht, die neben Armaturen heute schon Erlebnis-Apps fürs Bad anbietet. Sie steuern Beleuchtung, Geräusche und Düfte. Denkbar sind solche digitalen Services auch in anderen Branchen und werden vor allem dann wichtig, wenn die eigentliche Produktion in Deutschland nicht mehr rentabel sein wird.

Wie sieht Ihre Unterstützung für die Unternehmen der Region konkret aus?

Thorsten Hülsmann: Sie soll über fünf Säulen erfolgen, die eine Art Befähigungskette bilden: niederschwellige Information, Demonstration von Technologien etwa bei Firmen oder in Versuchshallen an den drei Hubs bzw. Standorten des Kompetenzzentrums. Demonstrationszentren befinden sich zum Beispiel  in Dortmund, an der RWTH Aachen oder im Fraunhofer-Anwendungszentrum Industrial Automation in Lemgo. Die dritte Phase ist das Konzipieren von Projekten für einzelne Unternehmen gemeinsam mit Partnern; die vierte Säule widmet sich der konkreten Umsetzung bzw. der Einführung solcher Technologien und die fünfte der Qualifizierung der Mitarbeiter. Neben 20-30 festen Personen aus den neun beteiligten Organisationen des Kompetenzzentrums ist der Aufbau eines Netzes aus Multiplikatoren besonders wichtig.

Welche Aufgaben haben Ihre Partner?

Thorsten Hülsmann: Mit Partnern vor Ort wie den Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsförderungen oder Handwerkskammern wollen wir uns austauschen, von ihnen Erfahrungen und auch Anforderungen aus den Unternehmen einsammeln. Des Weiteren fungieren sie als Ansprechpartner und Vermittler zwischen uns und den Firmen, aber auch als Skalierungspartner, die etwa unsere Weiterbildungsangebote im Netzwerk weitergeben.

Und wie groß ist letztlich der Aufwand für die Unternehmen selbst?

Thorsten Hülsmann: Der Aufwand ist abhängig vom Baustein, an dem das Unternehmen partizipiert. Zeitlich reicht der Aufwand von ein bis zwei Tagen – etwa bei Info-Veranstaltungen oder Workshops – bis hin zu mehreren Monaten, wenn ein Unternehmen etwa Ressourcen für eine Umsetzungsstrategie bereitstellen muss. Ein Mehrwert ist auf allen Stufen sofort da, weil unsere Leistungen prinzipiell kostenfrei sind. Zudem werden wir für Konzeptions- und Transferprojekte Ausschreibungen machen, auf die sich Unternehmen mit konkreten Projektideen bewerben können. In mehr als 30 ausgewählten Projekten können wir mit der Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums kostenlos über eine Laufzeit von mehreren Wochen begleiten.